Radweg oder Radfahrstreifen?

  • @Spurwechsel

    Vielen Dank für die Rückmeldung, sie erklärt manches, wirft damit einige weitere Fragen auf:


    Ich denke, dass es genügend Radfahrer gibt, die den Radweg nicht benutzen, obwohl eine Benutzungspflicht besteht


    Ist bekannt, daß nach §2 (4) StVO eine Radwegbenutzungspflicht im Grundsatz eben nicht besteht?

    Ist bekannt, daß sich damit die Rechtslage grundlegend bei Radwegen von der bei Radfahrstreifen unterscheidet?

    Womit sich logischerweise Schwierigkeiten ergeben, welchen Straßenteil Radfahrer präferieren, wenn sie frei wählen könnten, weil der Verordnungsgeber nunmal unterschiedliche Vorgaben zu deren Benutzung macht, also eine solche freie Wahl bei Radfahrstreifen gar nicht zuläßt (im Unterschied zu Schutzstreifen)?

    Ist bekannt, daß Radwege und Radfahrstreifen (fast) nie gemeinsam im selben Straßenabschnitt für eine Richtung vorkommen? Das wäre ja auch sinnfrei, weil man einen Radweg in einem solchen Fall gar nicht benutzen dürfte, denn es ist ja der Radfahrstreifen zu benutzen.

    Das mal vorab, mir und anderen fallen wahrscheinlich noch mehr Fragen ein.

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    Peter Viehrig

    "Glaube ist die Überzeugung, dass etwas wahr ist, weil die Belege zeigen, dass es falsch ist."
    (Andreas Müller)

  • Ja, mir ist bekannt, dass es prinzipiell keine Benutzungspflicht gibt. Es kann ja aber trotzdem der Fall sein, dass Radfahrer nicht auf Radfahrstreifen fahren,obwohl es eine Benutzungspflicht gibt und dass sie dadurch das Gefühl haben frei wählen zu können (das klingt jetzt alles sehr hypothetisch, aber ausschließen will ich das nicht grundsätzlich). Wenn sie der Aussage, dass man auf Radfahrstreifen nicht frei entscheiden kann, nicht zustimmen, dann haben sie bei der Beantwortung der Frage die Möglichkeit "stimme nicht zu" anzugeben. Wenn die Ergebnisse für diese Frage zeigen, dass bei Radfahrsteifen weniger Menschen "stimme nicht zu" geantwortet haben als bei Radwegen, kann Ihre Ausführung eine Begründung dafür sein. Also danke für den Hinweis :)

    In der Befragung geht es nicht darum, dass Radwege und Radfahrstreifen im selben Straßenabschnitt zu finden sind. Es geht allgemein um Radwege und Radfahrstreifen. Bei der einen Situation fährt man auf einer Straße, wo es nur einen Radweg gibt und bei der anderen Situation fährt man auf einer Straße, wo es nur einen Radfahrstreifen gibt. Wenn es dabei zu Missverständnissen kommt, werde ich nochmal versuchen, es klar im Fragebogen auszuformulieren.

    Außerdem geht es in meiner Untersuchung auch nicht darum, wo Radfahrer ausweichen und auch nicht um das illegale Gehwegradeln. Das ist bereits in mehreren Studien untersucht worden und wird hier deshalb nicht berücksichtigt. Leider ist es in einer Masterarbeit nicht möglich, alle Aspekte mit einzubeziehen, die irgendwie das Radfahren beeinflussen, da es aus zeitlichen Gründen gar nicht machbar wäre. Aber sie können sich sicher auf weitere Untersuchungen freuen, bei denen dann genau dieses Thema behandelt wird.

  • Ich werfe hier (ungern, weil mir alle bisherigen Erklärungen durchaus ins Bild der Stadtplanung passen) ein: Hamburg ist nicht der Nabel der Welt.

    Es gibt (zum Glück) viel viel mehr Städte, mit teils anderen Problemen. Mir fällt Erlangen ein, wo der Radverkehr einen riesigen Anteil annimmt aber der Hochboardradweg das Mittel der Wahl ist. Oder Münster, wo der Radverkehrsanteil riesig ist, aber die Infrakstruktur unter aller Sau. Oder Würzburg, wo ein Teil der Strecken in der Stadt als Tempo 70 Kreisverkehr geplant sind, und mir völlig schleierhaft ist wie ein Radfahrer dort überlebt. Oder Bad Tölz, wo es keinen Radverkehr durch die Alpen gibt, aber Autofahrer erstaunlich viel Abstand halten und richtig freundlich überholen. Oder Prien, wo es einen scheußlichen, nicht benutzungspflichtigen Radweg aus der Stadt heraus gibt, aber lokale Kampf-Autofahrer mehrfach auf und ab fahren um Radlergruppen jeweils einzeln umzufahren und deren Sicht der Dinge zu erklären (ohne Scheiß ... ich war zum Glück nur als Zeuge betroffen).

    Okay.. alle Beispiele sind möglicherweise leicht überspitzt (bis auf das Letzte).

    Dennoch ist eine weitreichende Umfrage vielleicht nicht schlecht.

    So .. und nun hab ich nicht teilgenommen, und kenne Fragen nur aus dem bisherigen Diskussionsteil. Und die erschienen mir schon teils äußerst überarbeitungsbedürftig. Die Umfrage ist vielleicht noch jung genug um das zu ändern? Ich verliere mein Vertrauen in die Studenten noch nicht :)

  • Ich habe in der Befragung häufig die Antwortoption "weder-noch" bzw. "trifft nicht zu", "weiß ich nicht", "kann ich nicht beurteilen" vermisst. Da ich gleichzeitig gezwungen war, bei jeder Frage eine Antwort zu geben, ist das Ergebnis der Befragung natürlich problematisch.

  • Nbgradler: Die Umfrage bezieht sich nicht auf Hamburg die Infrastruktur in Hamburg. Sie bezieht sich allgemein auf Radwege und Radfahrstreifen in Deutschland. Mir geht es auch nicht um die unterschiedlichen Ausführungen in unterschiedlichen Städten. Mir geht es darum, wie jeder einzelne Radfahrer, das Radfahren auf den unterschiedlichen Radverkehrsanlagen erlebt. Dabei spielen die unterschiedlichen Ausführen natürlich indirekt auch eine Rolle. Ich bin mir nicht so sicher, ob ich Ihren Einwand richtig verstanden habe.

    Fahrbahnradler: In einer Befragung muss man sich grundsätzlich entscheiden, ob man eine Antwortkategorie "weiß nicht" einfügt. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, weil ich der Meinung bin, dass ansonsten viel zu viele Menschen diese Option wählen würden. Dafür habe ich mich aber auch dazu entschieden, dass man die Fragen nicht beantworten muss. Das heißt, Sie hätten die Frage auch einfach auslassen können. Den Hinweis darauf fehlt in der Untersuchung und der sollte noch hinzugefügt. Es tut mir also Leid, dass Ihnen das nicht klar war und sie sich gezwungen gefühlt haben, eine Antwort zu geben.

  • Das war nicht so recht ein Einwand bezüglich der Umfrage, mehr ein Einwand wegen der arg hamburglastigen Bevölkerung des Forums. Hier werden häufig Hamburger Beispiele herangezogen, die es so anderso nicht gibt (ich würde ja sagen: zum Glück!, aber egal). Die Einwände oben kann ich allerdings durchaus verstehen: ich kann auch hier nicht wählen, ob ich einen Radfahrstreifen oder einen Radweg wähle. Es gibt nur entweder das eine, oder das andere.

  • Dafür habe ich mich aber auch dazu entschieden, dass man die Fragen nicht beantworten muss. Das heißt, Sie hätten die Frage auch einfach auslassen können. Den Hinweis darauf fehlt in der Untersuchung und der sollte noch hinzugefügt. Es tut mir also Leid, dass Ihnen das nicht klar war und sie sich gezwungen gefühlt haben, eine Antwort zu geben.

    Dann haben Sie ein massives Problem mit der Verwertbarkeit der Antworten. Ganz ehrlich: ich an Ihrer Stelle würde ALLE Antworten, die vor Auftauchen dieses Hinweises abgegeben wurden bzw. noch werden, in die Tonne treten.

  • Und bei Frage 18 geht es darum, was zu Ihrer Entscheidung beiträgt, auf dem Radweg zu fahren. Also sozusagen, warum fahren Sie auf Radwegen. Vielleicht fahren sie nur auf Radwegen, weil es vorgschrieben ist, dort zu fahren


    Im Fragebogen steht dazu bei Frage 18: "Ich fahre auf Radwegen, weil es vorgeschrieben ist." Wie hier schon angesprochen liest sich das, als wenn alle Radwege benutzungspflichtig wäre. Was werden Leute also darauf antworten?

    • Wenn sie denken, dass alle Radwege benutzungspflichtig sind: In der Mehrheit wohl mit Zustimmung
    • Wenn sie wissen, dass nicht alle Radwege benutzungspflichtig sind: Stimme nicht zu (weil keine allgemeine Benutzungspflicht besteht), Stimme zu (weil die Hoffung besteht, dass damit nur gemeint ist, dass man sich an die Benutzungspflicht hält) oder Frage wird nicht beantwortet

    Was lässt sich also aus den Antworten schließen? Gar nichts. Auf jeden Fall nicht, ob die Leute nur wegen der Benutzungspflicht auf benutzungspflichtigen Radwegen fahren.

    Das Ziel der Umfrage finde ich unterstützenswert, aber ohne eine Überarbeitung der Fragen wird Potential verschenkt. Ich werde an der Umfrage erstmal nicht teilnehmen. Ich würde mich nur drüber ärgern. Sollte die Umfrage nochmal überarbeitet werden, wäre es schön, wenn das hier bekannt gemacht wird.

  • ich an Ihrer Stelle würde ALLE Antworten, die vor Auftauchen dieses Hinweises abgegeben wurden bzw. noch werden, in die Tonne treten.

    Das ist doch ohnehin unumgänglich, wenn die Fragen/Antwortmöglichkeiten inhaltlich geändert werden. Die Antworten vor und nach der Änderung wären keinesfalls vergleichbar.

    Twitter: @Nbg_steigt_ab

  • Vorweg: Ich habe die Umfrage durchgezogen. Das aber auch nur, weil ich von einer Professorin der Uni Dresden davon erfahren habe. Also aus persönlichen Gründen.

    Einige Frage sind auch mir komisch vorgekommen. Aber ich habe mir ein paar Antworten geben können, wie bei dieser:

    Ich tue mich am schwersten mit der immer wiederkehrenden Auswahl: "Einen Unfall kann ich vermeiden ... keinesfalls/wahrscheinlich nicht/vielleicht/ziemlich wahrscheinlich/sicher".

    Schlimmer fand ich jedoch die jeweil folgende Frage nach der erwarteten Schwere einer Verletzung. Das kam mir in etwas so vor: Sie würfeln, welche Augenzahl erwarten sie, 1, 2, 3, 4, 5 oder 6?

    Da liegt aber auch die Antwort. Viele Radfahrer haben Angst vor der Fahrbahn, weil sie wegen der Autos eher schwerere Verletzungen bei Unfällen erwarten, die sie selber nicht verhindern können. Auf Radwegen ist es umgekehrt. Ich kann durch eine defensive Fahrweise Unfälle vermeiden. Ich habe selber Einfluss darauf. Und wenn, dann stürze ich eben.

    Man fühlt sich sicherer, wenn man glaubt, selber Einfluss auf das Risiko zu haben, selber etwas tun zu können. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass die Professorin in der Psychologie tätig ist?

    Das Dumme ist nur, dass der Mensch Stastistik kaum intuitiv erfassen kann, dass Statistik dem "gesunden Menschenverstand" nicht gut zugänglich ist. Deswegen glauben so viele Leute an den "guten Radweg".


    Ich sehe die Umfrage vor dem Hintergrund des Roll-Backs in der Separationsfrage. Vor ein paar Jahren stand ausser Frage, dass die Fahrbahn die richtige Wahl ist. Diejenigen, die sich damit befasst haben, sind rational an die Sache rangegangen. Das können aber viele aus obigen Gründen nicht nachvollziehen. Man kann sich den Mund fusselig reden, Statistiken, Untersuchungsergebnisse noch und noch anbrigen, sie glauben es einfach nicht.
    Um diese breite Basis zu befriedigen, ist beispielsweise der ADFC dazu übergegengen, die Separation wegen der gefühlten Sicherheit zu fordern. Die tatsächeliche Sicherheit oder besser Unsicherheit von Radwegen wird nicht mehr thematisiert. Man verspricht sich im ADFC durch die gefühlte Sicherheit mehr Radfahrer. Eine Annahme, die genauso gefühlt ist. Ich könnte kotzen. Die Radverkehrspolitik ist im postfaktischen Zeitalter angekommen.

  • Übrigens: "Radwege" können auch so aussehen. [...] am Sievekingdamm [...].

    bapbapbapbapp... :D

    mündliche Aussage des Leiters Verkehrsprävention: das da ist nach seiner Einschätzung kein Radweg mehr.
    mittlerweile ist nämlich die weiße dünne Linie dort weg, an der Stelle wurde im Rahmen einer Leitungslegung der "Asphalt" weggerissen und stattdessen neue Gehwegplatten verlegt. 8)

  • mündliche Aussage des Leiters Verkehrsprävention: das da ist nach seiner Einschätzung kein Radweg mehr.
    mittlerweile ist nämlich die weiße dünne Linie dort weg, an der Stelle wurde im Rahmen einer Leitungslegung der "Asphalt" weggerissen und stattdessen neue Gehwegplatten verlegt.

    Du meinst also Sievekingsdamm

  • in der Tat hätte ich den klammheimlich im "so" versteckten link natürlich auch noch entfernen müssen. X/
    aber ja, Sievekingdamm. der hat jetzt von Burgstraße kommend:
    sonstiger Radweg, Furt mit Kombistreuscheibe über Carl-Petersen-Straße, Aufleitung auf sonstigen Radweg mit dünner weißer Linie und Kampfparkern, kein Radweg (und keine Freigabe), sonstiger Radweg, Gehweg mit Radfahrer frei, kein Radweg (und keine Freigabe).

    ^^
    Das ist so ein absurdes Stück Hamburger Infrastruktur... <X