Wenn Hamburg nicht bald etwas gegen Radfahrer unternimmt, kann es seine neue Infrastruktur wieder in die Tonne kloppen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Wenn Hamburg nicht bald etwas gegen Radfahrer unternimmt, kann es seine neue Infrastruktur wieder in die Tonne kloppen

      Mit Hamburgs Radverkehrsinfrastruktur, beziehungsweise mit Hamburgs Radverkehrsstrategie werde ich nicht so ganz warm. Echt nicht.

      Ja, es werden teilweise brauchbare Hochbordradwege angelegt und ja, es gibt teilweise sogar brauche Radfahrstreifen oder Schutzstreifen. Und dann gibt’s ganz schön viel Müll, wenn selbst die neu angelegte Radverkehrsinfrastruktur auf kompletter Länge gerade einmal den Mindestvorgaben bezüglich der Breite entspricht. Oder man macht es sich einfach, hebt die Radwegbenutzungspflicht auf und lässt den Radlingen die Wahl zwischen der Fahrbahn und einem buckeligen Radweg. Klar, unsereins kommt mit der Fahrbahn gut zurecht, aber nach meiner Beobachtung bleiben die bekannten 98 Prozent der Radfahrer lieber auf dem Radweg. Super Sache, Hamburg.

      Natürlich ist mir auch klar, dass man Hamburg nicht von heute auf morgen in eine Fahrradstadt verwandeln wird. Und mir ist auch klar, dass man noch nicht einmal von heute auf übermorgen eine brauchbare Infrastruktur schaffen kann. Aber das man hier und dort ein paar Meter oder sogar ein paar hundert Meter saniert, sich davor und danach aber eine grottige Infrastruktur auf dem Stand der 60er Jahre anschließt, ja, toll, das hilft doch niemandem etwas. Und wenn man in Hamburg in diesem Tempo weitermacht, hat man ungelogen noch nicht mal in dreißig Jahren, wenn angeblich ein Großteil der Kraftfahrzeuge elektrisch angetrieben werden soll, eine ordentliche Radverkehrsinfrastruktur parat.

      Ein Beispiel ist ja der neu gestaltete Knoten Schanzenstraße / Stresemannstraße / Neuer Kamp / Budapester Straße. Da hat man sich teilweise etwas gedacht oder aber auch nicht, und abgesehen von den Radfahrstreifen im neuen Kamp geht’s in allen Himmelsrichtungen mit einer bescheuerten Infrastruktur weiter. Ja, ich weiß, in der Schanzenstraße darf man auf der Fahrbahn radeln, aber 98 Prozent der Radlinge bevorzugen es eben, durch die Außengastronomie und durch die Blumenläden zu radeln, anstatt sich auf der Fahrbahn anhupen zu lassen. Und man kann ja von Vorstadt-Günther und seinen Thesen halten was man will: Die meisten Radlinge lieben Radwege — das lässt sich nun kaum in Abrede stellen.

      Die Radverkehrsinfrastruktur in der Stresemannstraße kann man wohl kaum so nennen, das ist ja bekanntlich eher ein schlechter Witz. In der Budapester Straße sieht es ähnlich aus, nur ist die Straße dort nicht ganz so mega-eng und die Radwege sind etwas breiter.

      Egal, zurück zu dem, was man sich am Neuen Kamp gedacht hat und was nicht: Was bitte soll denn sowas hier?



      Man kann an dieser Stelle also geradeaus zur Schanzenstraße fahren. Okay, das kriegt man hin.

      Das ist aber auch schon das einzige, was man ungefähr hinbekommt, wenn man diese Infrastruktur zum allerersten Mal benutzt. Wenn man ins Schulterblatt möchte, soll man sich hier halb-links einordnen und dem Schutzstreifen in der Fahrbahnmitte folgen. Das weiß man aber erst, wenn man die Kreuzung ordentlich studiert hat — und selbst wenn man den Weg kennt, weiß man noch immer nicht, wie man ordentlich abbiegen soll.

      Wenn diese Ampel rotes Licht zeigt, kann man sich nur mit grummelndem Magen links einordnen, weil man nicht so genau abschätzen kann, wann es wieder grünes Licht gibt. Und wenn man gerade in jenem Moment, wenn die Ampel wieder auf grün springt, nach links rüberfahren möchte, wird man vom durchstartenden Kraftverkehr über den Haufen gefahren — denn der Kraftverkehr hat’s eilig, der muss die nächste Ampel auch noch bei grünem Licht schaffen.

      Wenn die Ampel grünes Licht zeigt, kann man das mit dem Einordnen an dieser Stelle schonmal vergessen. Man fährt also zunächst weiter geradeaus auf diesem tollen Radfahrstreifen ohne Zeichen 237 und nimmt dann seinen ganzen Mut zusammen, um zwischen dem Kraftverkehr über die durchgezogene Linie auf den Streifen in der Mitte zu wechseln. Super Sache — welcher normalsterbliche Radfahrer traut sich das zu?

      In der Praxis hat sich die Variante etabliert, dass man geradeaus zur nächsten Ampel fährt, dort kurz auf den Radweg wechselt und dann nach links ins Schulterblatt abbiegt.

      Dann kann man aber auch noch ganz links in die Stresemannstraße abbiegen und muss sich dazu… aha, ganz rechts einordnen. Das hat man sich ja auch toll überlegt. Wenn ich jetzt in die Stresemannstraße abbiegen will und diese Ampel hier für mich rotes Licht zeigt, muss ich dann erst an der Haltlinie warten oder darf ich mich rechts vorbeimogeln? Und warte ich dann noch mal bei der quer verlaufenden Fußgängerampel oder biege ich dann einfach ab? Und was passiert, wenn schon zwei oder drei Radfahrer geradeausfahren wollen und vor der roten Ampel warten, trage ich dann mein Rad über das Blumenbeet? Und wie viele Radfahrer dürfen sich hier eigentlich zum Linksabbiegen aufstellen? Zwei? Drei? Vier?

      Man stelle sich vor, es gäbe eine ähnlich tolle Infrastruktur für den Kraftverkehr. Ich erinnere mich noch daran, wie in den Medien gejammert wurde, dass man sich oben am Siemersplatz zum Linksabbiegen rechts einordnen soll. Aber hej: Für den Kraftverkehr ist der Siemersplatz mehrfach ausgeschildert. Als Radfahrer darf man sich hier selbst überlegen, wie man sich wo einordnet — und ob die rote Ampel gilt oder nicht oder doch.

      Und als wäre das noch nicht kompliziert genug, wird noch ständig unter erschwerten Bedingungen gespielt. Ich habe mich vor ein paar Tagen eine Weile dort postiert und zwei Dinge festgestellt. Erstmal fahren Kraftfahrzeuge in der Regel in die Fahrradschleuse hinein, so dass sich das Abbiegen ins Schulterblatt für Radfahrer an dieser Stelle schon mal verbietet. Und zweitens gibt es dort Geisterradler ohne Ende. Auf dem Radfahrstreifen auf Fahrbahnniveau. Kann man sich gar nicht ausdenken: Da fahren in Stoßzeiten mindestens zwei pro Minute in die falsche Richtung.



      Worauf ich eigentlich mit dem reißerischen Titel hinaus wollte, sind aber solche Sachen hier:



      Zwei Radfahrer passen in den Kasten, der Richtung Feldstraße vorgesehen ist. Die dritte Dame wartet freundlicherweise sehr weit hinten. Morgens stehen hier zehn Radlinge und machen es wie am Lenkrad: Sie stellen den ganzen Kreuzungsbereich dicht. Mit welchen Zahlen hat man denn gerechnet, wenn ein Kasten für zwei Radlinge an einer Strecke, die eigentlich die Radverkehrsströme bündelt, ausreichen soll?

      Das ist genauso toll wie diese Kästen zum indirekten Linksabbiegen:



      Wenn man von der Kieler Straße über die Stresemmannstraße in die Innenstadt fahren will, können sich zwei Radlinge zum indirekten Linksabbiegen aufstellen. Der Rest… naja, der Rest sucht sich halt seinen Weg. Das ist an Kreuzungen wie dieser noch einigermaßen unproblematisch, aber teilweise wird man ja mittlerweile wie am Siemersplatz in die Fahrbahnmitte gelenkt und der dritte oder vierte Radling steht dann dem rechtsabbiegendem Fahrbahnverkehr im Wege herum.

      Ich weiß einfach nicht, wie man sich das vorstellt: Angenommen, der Radverkehrsanteil steigt weiter an oder es wird ein warmer Sommer, soll diese Infrastruktur dann ausreichen? Das sieht vielleicht auf diesen 3D-modellierten Planungsbildern toll aus, wo auf der sanierten Straße zwei Autos, vier Radfahrer und sieben Fußgänger unterwegs sind, aber wenn man bedenkt, dass diese Infrastruktur offenbar mindestens ein Jahrzehnt überdauern soll, äh, ja, wie soll das funktionieren?

      Oder reißt man dann im Jahr 2020 alles wieder auf, um breitere Radwege anzulegen und den Straßenraum ein weiteres Mal neu zu verteilen? Wer erklärt’s Christoph Ploß oder Wieland Schinneburg? Oder wie hat man sich das überhaupt mit Olympia in Hamburg vorgestellt? Sollten da auch diese Aufstellflächen für drei Radfahrer genügen, um die Hauptradverkehrsströme zum Olympiastadion zu leiten?
    • Ich halte diese gesamten Auswüchse an Radverkehrsinfrastruktur für nichts als einen zum Scheitern verurteilten Feldversuch. Auch weil, wie Du richtig darlegst, es frühestens in mehreren Menschengenerationen eine halbwegs "lückenlose" Infrastruktur in ein paar Großstädten geben könnte.

      Die gezeigten Beispiele sind natürlich ganz besonders erbärmlich und nutzlos.
      Aber selbst an einer gewöhnlichen X-Kreuzung kann ich an diesen Radaufstellflächen keinen gesteigerten Sinn erkennen - und habe sie auch noch nie genutzt. Abgesehen davon, dass ein Kraftfahrer völlig legal bis zur vorderen Haltlinie vorfahren kann und dabei höchstens gegen § 1 verstößt, zeigst Du auch richtig auf, dass man diesen Aufstellraum nur dann besetzen kann, wenn man quasi als Erster bei Rot an die Ampelanlage kommt und nicht kurz bevor es möglicherweise demnächst nach Grün umschlägt.
      Abgesehen davon verstehe ich nicht, warum sich ein Radfahrer innerhalb der rechten Fahrspur zum Geradeausfahren so weit nach links einordnen sollte und bezweifle, dass er es überhaupt darf.

      Noch viel grundsätzlicher aber halte ich es für verfehlt, einer speziellen Fahrzeugart großflächig einen eigenen und in ihrer Gestaltung so stark abweichenden Raum zu reservieren. Radfahrstreifen an vielbefahrenen mehrspurigen Straßen lasse ich mir ja noch gefallen (sinngemäß Radspur so ähnlich wie separate Busspuren), wenngleich ich schon da eine unnötige Behinderung schnellerer Radfahrer sehe, die oftmals über viele hundert Meter hinweg nicht legal überholen können.
      Das immer wiederkehrende Problem bei gleich welcher Radverkehrsanlage sind doch die unzähligen Kreuzungs- und Konfliktpunkte mit dem übrigen Verkehr.
      Für das Zusammentreffen von Fußgängern und Fahrzeugen ist das Ganze ja noch erträglich gelöst. Schon weil es weitgehend einheitliche Strukturen und Gestaltungen, sowie (besonders wichtig) einfache und hinreichend eindeutige Regeln gibt. Aber für Radfahrer, die mal auf einer separaten Anlage geführt bevorrechtigt sind, mal (meistens) nachrangig sind, mal am normalen Fahrbahnverkehr mit dessen Rechten teilnehmen sollen, ist es unnötig kompliziert. Besonders schlimm wird es immer da, wo sich im Kreuzungsbereich die Radverkehrsführung ändert z.B. von Fahrbahn auf linken Radweg, von Hochbord-Radweg auf Schutzstreifen, von Hochbord-Rad-und-Gehweg auf Fahrbahn...

      Ich bin mathematisch nicht so bewandert, mir aber völlig sicher, dass es geeignete Modelle oder Theorien gibt, die das Problem einer exponentiell steigenden Anzahl an Kreuzungs- und Konfliktpunkten bei Überlagerung zweier "Netze" treffend aufzeigen können.

      Wie wäre es, wir würden morgen damit aufhören, immer neue Ideen zu produzieren oder zu importieren, wie man Radfahrer weg von Fahrbahnen auf irgendwelche rot geplasterten oder meinetwegen lila gestreiften Sonderwege zu drängen?
      Wir könnten 1/10 des Etats für den Radwegebau in Informations- und Aufklärungskampagnen über die StVO investieren, mit dem Rest der Kohle den "Siebten Sinn" in jeder 20. Werbepause auf den Privatkanälen wiederholen und vieles mehr.
    • Malte schrieb:

      Die Radverkehrsinfrastruktur in der Stresemannstraße kann man wohl kaum so nennen
      Das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern - egal unter welcher Politik - leider. Der Straßenraum ist dort ziemlich begrenzt und als wichtigste West-Ost-Verbindung für den Kfz-Verkehr wird man die 4-Spurigkeit auf Biegen und Brechen beibehalten wollen. Da hilft nur noch die erste Häuserreihe abzureißen oder The Big Dig.

      Malte schrieb:

      Zwei Radfahrer passen in den Kasten, der Richtung Feldstraße vorgesehen ist.
      Das Problem hat man im Grunde immer bei indirektem egal bei Welcher Fahrzeugart. In solchen Ländern wie Holland gibt es fast nur das indirekte Abbiegen und da steht dann tatsächlich jedes Mal eine größere Fahrrad/Menschentraube und wartet auf grünes Licht, während die anderen Radfahrer sich daran vorbei und hindurch schlängeln. Auch nicht ellegant aber der Tribut an die separierte Infrastruktur

      Malte schrieb:

      Oder reißt man dann im Jahr 2020 alles wieder auf, um breitere Radwege anzulegen und den Straßenraum ein weiteres Mal neu zu verteilen?
      Könnte ich mir vorstellen. So a la Shanghaialle. Da ist man in Hamburg doch ziemlich schmerzfrei. Vielleicht ist es auch umgekehrt und die Radfahrspuren werden abgehobelt, weil die jungen Leute lieber Google/Apple-Auto fahren wollen und alte Herren-Rennräder wieder out sind ;)

      Spkr schrieb:

      Die gezeigten Beispiele sind natürlich ganz besonders erbärmlich und nutzlos.
      Sehe ich teilweise auch so, aber ich würde dem ganzen noch ein paar Jahre zur Bewährung geben. Es ist aber völlig klar, das sowohl der 12 Jährige Radfahrer beim Linksabbiegen ins Schulterblatt überfordert sein wird und ebenso der autofahrende Renter mit dem Radverkehr überfordert ist. Originalsprech: "Als ich Führerschein gemacht hatte, gab es noch keine Fahrradstraßen."

      Spkr schrieb:

      Noch viel grundsätzlicher aber halte ich es für verfehlt, einer speziellen Fahrzeugart großflächig einen eigenen und in ihrer Gestaltung so stark abweichenden Raum zu reservieren.
      Also Shared Space bzw. Mischverkehr? Bei autonom fahrenden Kfz meinetwegen. Ansonsten, nein Danke. Da hilft auch flächendeckendes Tempo 30 wenig - Stichwort Grandweg.

      Spkr schrieb:

      Wie wäre es, wir würden morgen damit aufhören, immer neue Ideen zu produzieren oder zu importieren
      Ich würde mich darüber freuen, wenn wir mal anfingen zu importieren. Ich finde protected bikelanes auf Fahrbahnniveau und die Kreisverkehre nach holländischem ziemlich dufte. In Deutschland schlägt man sich mit Provisorien a la Ochselzoll oder wie beim Neuen Kamp durch. Weil man in Deutschland die intelligenteren Verkehrsplaner im Vergleich zu Holland/Dänemark hat? Man versteckt sich dann gerne hinter Aussagen wie: "Hamburg ist nicht Kopenhagen" oder "Jede Nation muss ihren eigenen Weg finden" und veschweigt dabei, dass man jungen, alten und ängstlichen Menschen das Radfahren in der Stadt praktisch unmöglich macht.

      Spkr schrieb:

      in Informations- und Aufklärungskampagnen über die StVO investieren
      Wäre einerseits bitter nötig, anderseits weiß man aus dem Bereich Suchtprävention, dass Kampagnen kaum eine Wirkung haben. Z.B. die "Kenn-Dein-Limit"-Kampagne. Tolle Analogie. Wie wäre es mit einer "Kenn-Dein-Tempo-Limit"-Kampagne? Kommt bestimmt mega gut an. :thumbsup:
    • Bei der Forderung nach Aufklärungskampagnen schwingt für mich ja immer die Aussage mit, dass die Menschen nur zu ungebildet sind und deshalb die Fahrbahn nicht nutzen wollen.
      Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass viele Menschen einfach die Fahrbahn nicht benutzen wollen. Das ist auch das Ergebnis meiner privaten Aufklärungskampagnen und der Grund, weshalb ich diese nicht mehr durchführe.
    • rantanplan schrieb:

      Bei der Forderung nach Aufklärungskampagnen schwingt für mich ja immer die Aussage mit, dass die Menschen nur zu ungebildet sind und deshalb die Fahrbahn nicht nutzen wollen.
      Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass viele Menschen einfach die Fahrbahn nicht benutzen wollen. Das ist auch das Ergebnis meiner privaten Aufklärungskampagnen und der Grund, weshalb ich diese nicht mehr durchführe.
      Das ist nur bedingt richtig. Aufklärungskampagnen können den Vorteil haben, gut fundiert und vor allem glaubwürdiger zu sein. Im privaten und geschäftlichen Umfeld wird einem die Tatsache, daß Fahrbahnradelei erheblich sicherer als die Nutzung eines Hochbordradweges ist, fast nie geglaubt. (Ich muß das jedenfalls zumeist belegen). Des weiteren ist die Überzeugung, daß ein vorhandener Radweg immer benutzt werden müsse, noch sehr verbreitet. Beides ließe sich durch wiederholte Aufklärung in einer Sendung*, wie es "Der 7te Sinn" einmal war, beheben bzw. wenigstens bessern. Wenn die meisten Autofahrer wüßten, daß Fahrbahnradler dies (auch) aus Sicherheitsgründen tun, ist ein breiteres Verständnis wahrscheinlich. Des weiteren würden mehr Radfahrer (wenn auch noch immer eine Minderheit) die Fahrbahn nutzen, was bekanntlich den "safety-by-nummbers-Effekt" bringt. Da bleibt schlußendlich natürlich ein Bodensatz aus Ignoranz, Dummheit und Asozialität. Den könnte man dann aber wesentlich besser einfangen durch sozialen Druck, Ordnungs- sowie Strafrecht, wie es in anderen gesellschaftlichen Bereichen bereits heute üblich ist.

      * Sendezeit sonntags als Einspielunterbrechung der Lindenstraße oder unmittelbar vor der Tagesschau, damit minder gesellschaftlich interessierte oder bildungsfähige Bevölkerunggruppen (Rentner und Pensionäre, Landbewohner, CDU- und FDP-Wähler) erreicht werden.

      Peter Viehrig

      "Glaube ist die Überzeugung, dass etwas wahr ist, weil die Belege zeigen, dass es falsch ist."

      (Andreas Müller)
    • Peter Viehrig schrieb:

      * Sendezeit sonntags als Einspielunterbrechung der Lindenstraße oder unmittelbar vor der Tagesschau, damit minder gesellschaftlich interessierte oder bildungsfähige Bevölkerunggruppen (Rentner und Pensionäre, Landbewohner, CDU- und FDP-Wähler) erreicht werden.
      * Räusper *

      Ich gehöre zwar keiner dieser viereinhalb Gruppen an, aber als Beispiel für »minder gesellschaftlich interessierte oder bildungsfähige Bevölkerungsgruppen« würden mir eher die Zuschauer von DSDS, GZSZ, Big Brother, Dschungelcamp, Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, ZDF Fernsehgarten, Kochshows und MTV einfallen. Und natürlich »Top Gear« und »Alarm für Cobra 11« ;)

      * Nochmal räusper *
      Ja, ich hätte eigentlich auch noch Fußballsendungen erwähnen sollen ... aber die gucke ich selber ;)
    • Ich habe mich mal schlau gemacht.

      Die Sache ist ganz einfach: Das rote Ding ist ein Gehweg. Schließlich verläuft der Radweg ja links davon. Und weil das rote Ding ein Gehweg ist, müssen Radfahrer, die ganz hart nach links in die Stresemannstraße abbiegen wollen, absteigen und schieben. Ist doch ganz logisch, oder?

      So!

      Nun gibt’s ja noch die Problematik, dass in Hamburg ein Radfahrstreifen kraft der Lex Schubert kein Zeichen 237 braucht, weil sich die Benutzungspflicht angeblich aus dem Rechtsfahrgebot ergäbe. Ist natürlich auch nicht so ganz zutreffend, aber darum dürfen Radfahrer auch nicht halb links ins Schulterblatt abbiegen — wenn ein Rechtsfahrgebot gilt, darf man natürlich nicht in der Mitte fahren. Ist doch ganz logisch, oder?

      Zu der ganzen Kreuzung am Neuen Pferdemarkt habe ich noch eine Reihe weiterer Fotos geschossen, aber um die kümmere ich mich morgen. Für heute habe ich mich genug aufgeregt.

      David85 schrieb:

      Das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern - egal unter welcher Politik - leider. Der Straßenraum ist dort ziemlich begrenzt und als wichtigste West-Ost-Verbindung für den Kfz-Verkehr wird man die 4-Spurigkeit auf Biegen und Brechen beibehalten wollen. Da hilft nur noch die erste Häuserreihe abzureißen oder The Big Dig.
      Ich sehe mit der Stresemannstraße eigentlich nur zwei Möglichkeiten — und das meine ich eigentlich vollkommen ernst.

      1. Man verbietet das Radfahren zwischen der Alsenstraße und der Lerchenstraße. Das Hamburger Niveau von Radverkehrsführungen ist ohnehin unterirdisch, aber das hier geht gar nicht. Im westlichen Bereich ist der Radweg so dichtgepollert, dass nicht mal ein Reinigungsfahrzeug dort entlangfahren kann, so dass Glasscherben, Dreck und Splitt dort jahrelang herumliegen. Im östlichen Bereich ist es so eng, dass Radfahrer und Fußgänger sich einen engen Gehweg teilen müssen. Dann sperrt das Ding für Radfahrer, macht für Fußgänger einen einigermaßen breiten Gehweg dahin und fertig. Der Radverkehr wird sich einen Weg schon suchen — klappt ja woanders auch.
      2. Im westlichen Teil könnte man „einfach“ die Parkplätze entfernen. Dann wäre plötzlich Platz für eine angemessene Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger und der Kraftverkehr könnte seine beiden Fahrstreifen pro Fahrtrichtung behalten. Mit der Sternbrücke müsste man sich halt was ausdenken, aber die soll ja angeblich eh irgendwann erneuert werden. Im östlichen Teil, oha, könnte man die Bäume auf der nördlichen Seite entfernen, die ganze Fahrbahn anderthalb Meter nach Norden verschieben und hätte plötzlich auch einigermaßen Platz für Radfahrer und Fußgänger ohne einen Fahrstreifen einzubüßen. Lediglich einen Bereich von fünfzig Meter Länge könnte man damit noch nicht entschärfen, aber scheiß drauf, die fünfzig Meter muss man dann eben zusammen mit Fußlingen auf einem engen Weg fahren. Ist dann halt so.
      Dumm nur, dass in Hamburg drei Dinge heilig sind: Fahrstreifen, Parkplätze und Bäume.

      Wird also alles tatsächlich nicht passieren.
    • Malte schrieb:

      Dann sperrt das Ding für Radfahrer, macht für Fußgänger einen einigermaßen breiten Radweg dahin und fertig.

      Dann gibt es endlich einen Tummelplatz für Kampfgänger. :D

      Aber Malte, bitte verwende nicht die Wörter »Niveau«, »Radverkehrsführungen« und »unterirdisch« in einem Satz. Du könntest sonst die Hamburger Entscheider auf ganz, ganz dumme Ideen bringen.

      google.de/maps/@53.5480527,10.…URQUWw!2e0!7i13312!8i6656

      google.de/maps/@53.548481,10.0…_PaiEw!2e0!7i13312!8i6656
    • Fahrbahnradler schrieb:

      aber als Beispiel für »minder gesellschaftlich interessierte oder bildungsfähige Bevölkerungsgruppen« würden mir eher die Zuschauer von DSDS, GZSZ, Big Brother, Dschungelcamp, Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, ZDF Fernsehgarten, Kochshows und MTV einfallen. Und natürlich »Top Gear« und »Alarm für Cobra 11«
      Die glaubte ich schon als Bodensatz abgehandelt zu haben...

      Peter Viehrig

      "Glaube ist die Überzeugung, dass etwas wahr ist, weil die Belege zeigen, dass es falsch ist."

      (Andreas Müller)
    • Spkr schrieb:

      Wie wäre es, wir würden morgen damit aufhören, immer neue Ideen zu produzieren oder zu importieren, wie man Radfahrer weg von Fahrbahnen auf irgendwelche rot geplasterten oder meinetwegen lila gestreiften Sonderwege zu drängen?
      Endlich mal jemand mit offenen Augen und Grips in der Birne. Ich weiß nicht, wie man angesichts der seit 8 Jahrzehnten andauernden Wirklichkeit auch nur eine Sekunde lang glauben kann, das wäre änderbar. Schon gleich in der nächsten Antwort lese ich es wieder, diese wissentlich vergebliche Hoffnung auf Besserung von Wegelchen.

      Wenn man Fahrrad fahren will bleibt wohl nichts anderes übrig, als selbst für Besserung zu sorgen. Gerade der Straßenverkehr zeigt doch, das Verstöße mit der Anzahl zu Regeln werden. Meiden genügend Radfahrer die Wegelchen, wird das stärkere Folgen zeitigen, als irgendwelche Forderungen nach schöneren Ghettos (auf denen die Toten dann genau so Tot sein werden).

      > anderseits weiß man aus dem Bereich Suchtprävention, dass Kampagnen kaum eine Wirkung haben

      Genau, deshalb gibt es ja auch so wenig Kampagnen, weil die so erfolglos sind. Auto mag eine Sucht sein, Radwege ist eine. Nicht aber das Verhältnis Auto-Radfahrer.
      Oldenburg. "Radwege" sind selbstverständlich unbenutzbar. Radfahrer auf der Fahrbahn werden bestraft, Autofahrer mitunter Gewalttätig, Überholen im Zentimeterabstand und Ausbremsen ist halbstündliche Routine. Keine 200 Meter Fahrbahn ohne Hupbegleitung. Bei Beschwerde gibt es was in die Fresse. Wegen dieses Dauerstresses stelle ich das Fahrrad endgültig im Keller ab, oder besser: begrabe es. Ich kann feststellen, daß ich als Fußgänger ganz anders behandelt werde, obwohl mich die StVO nicht mehr im geringsten interessiert.

      Unsere Verwaltung will einige blaue Schilder entfernen. Das lokale Monopolblatt berichtet immer wieder dazu, natürlich auch mit Begleitung, was dürfen Radfahrer, Folgen, usw bla bla. Nicht immer nur positiv. Die Politik ist dafür und dagegen. Die Schilder werden wie angekündigt entfernt, es wird weiter berichtet, insgesamt ein Jahr lang. Irgendwo gibt es einen Satz in einem Kommentar, das sich das Verhalten der Autofahrer leicht gebessert habe.
      Ich probiere es aus. Unglaublich, ich kann unbehelligt Fahrbahnen benutzen, wie ich es nur aus anderen Orten kenne, aus radweglosen Orten. Alle paar Fahrbahnkilometer mal Hupen, vielleicht motzt auch mal wer. Überholt wird ordentlich, Vorfahrt etc. beachtet. Sogar die Polizei hält mich seltener an. Und das, obwohl es nur ganz wenige Fahrbahnnutzer gibt, ich habe noch nie einen gesehen. Kurz gesagt: Ein Zustand, den jemals zu erleben ich nichtmal mehr zu hoffen gewagt hatte. Dieser hält nun seit 1,5 Jahren an.

      Preisfrage 1: Liegt das an der Berichterstattung oder an den paar fehlenden Schildern?
      Preisfrage 2: Warum nutzt das niemand? Warum ist das keine Lehre? Warum wird dennoch weiter nach schöneren Ghettos gerufen? Der hiesige ADFC bedient sich dazu mittlerweile dem feministischen Wortfundus. Warum tun die Critical-Mass-Leute noch immer so, als wäre Fahrbahn nur in großen Gruppen möglich?

      Schlußfolgerung aus 2: "Radwege" sind Selbstzweck, man will sie um darüber schimpfen zu können. Und das eben überall, ob in Foren wie diesem, Blogs, Artikel-Kommentaren. Wegen dieser ständig anzutreffenden Verlogenheit sind mir andere Radfahrer inzwischen scheißegal, jedem von ihnen würde ich gerne noch einen Arschtritt zur Autotür rein verpassen, wenn er dadurch nur mit der Radwege-Jammerei aufhörte.
    • Sehen wir es doch mal so:
      wir hätten gerne ordentlich breite, stetig geführte, ordentlich gesäuberte Radwege, auf denen man nicht plattgefahren wird. Auch nicht an den Knotenpunkten.
      Und da wir die nicht haben und in absehbarer Zeit nicht kriegen, fahren wir halt auf der Fahrbahn und gut ist.
      Blauschilder werden angenommen, wenn der Radweg annehmbar ist, ansonsten ignoriert. Ist dann das Fahrbahnradeln zu nervig oder zu teuer, klagt man das Blauschild weg.

      Fahrrad eingraben ist dagegen nicht die zielführende Lösung.
      bye
      Explosiv
    • Malte schrieb:

      Ich weiß einfach nicht, wie man sich das vorstellt: Angenommen, der Radverkehrsanteil steigt weiter an oder es wird ein warmer Sommer, soll diese Infrastruktur dann ausreichen? Das sieht vielleicht auf diesen 3D-modellierten Planungsbildern toll aus, wo auf der sanierten Straße zwei Autos, vier Radfahrer und sieben Fußgänger unterwegs sind, aber wenn man bedenkt, dass diese Infrastruktur offenbar mindestens ein Jahrzehnt überdauern soll, äh, ja, wie soll das funktionieren?
      Das ist ein Problem, wenn man den begrenzten Straßenraum statisch verteilt: Dann kann eine Gruppe unnötigerweise eingeschränkt sein.
      Wenn man den Raum dynamisch verteilt, wer zuerst kommt, nimmt sich den Platz, den er braucht, und der Rest muss mit dem leben, was übrig ist, entfällt diese unnötige Beschränkung.

      Entweder, man gibt dem Radverkehr den Raum, der er in Jahren brauche soll, oder man lässt es bleiben. Anderenfalls wäre es eine Förderung mit (zu) begrenzter Kapazität.


      Abgesehen davon, hat mir noch niemand auch nur plausibel erklären können, wie man mit fahrbahnbegleitenden Radwegen den Radverkehr fördern kann. Dann kommen immer Beispiele wie Amsterdam oder Kopenhagen. Damit wird eine Kausalität suggeriert, die logisch keine Grundlage hat. Dabei ist noch nicht einmal die Korrelation aus Radwegen und hohem Radverkehrsanteil belegt.

      Gegenbeispiele kann ich auch nennen: Dublin, Milton Keynes, Langenlouis.


      Das eigentliche Problem beim Radverkehr befindet sich zwischen den Ohren. Man muss Radfahrer ernst nehmen! Das gilt für alle, auch für die Radfahrer selbst.

      Dann wird nicht mehr die Mär von der gefährlichen Fahrbahn verbreitet, um Radfahrer an den Rand zu drängen. Dann werden Autofahrer Radfahrer als Mitverkehrsteilnehmer betrachten und nicht mehr als bestenfalls geduldete Untermenschen. Dann glauben auch Radfahrer nicht mehr, auf der Fahrbahn den Verkehr aufzuhalten, weil man selber ja auch Verkehr ist. Dann werden Radwege als Ghetto überflüssig und die Radwege, die dann noch gebaut werden, werden auch als Verkehrswege gebaut.
    • Grundsätzlich halte ich es genau so wie Explosiv. Gleichzeitig finde ich es polemisch, wenn ständig von Ghetto gesprochen wird. Konsequenterweise sind doch Autobahnen und Kraftfahrstraßen dann Ghettos für Kfz. Da beschwert sich aber kein Kraftfahrer drüber, warum nicht?
      Mit dem Begriff Ghetto wird doch nur versucht, einen individuell zugeteilten Verkehrsraum als generell moralisch verwerflich abzustempeln, was er aber für mich nicht automatisch sein muss. Gut gemachte Ghettoisierung?

      Jemand der gegen "Ghettos" ist, müsste auch automatisch gegen die Idee der Autofreien Innenstadt oder Autofreien Osterstraße sein.

      Wer glaubt, dass Kfz-Fahrer und Radfahrer friedlich und unfallfrei koexistieren können, blendet den Faktor Mensch dabei aus. Goofy der Teufelsfahrer bei Youtube Witzig daran ist auch, dass der Goofy-Film 66 Jahre alt ist, aber perfekt ins Heute übertragbar ist. Woran liegt das? Falsche Verkehrserziehung? Psychologie des Autofahrens? Warum wirkt sich das Kfz überall auf der Welt gleich aus?

      Wenn wir Autos hätten, die maximal Tempo 25 führen und eine Knautschzone aus einem aufgeblasenen PVC-Schlauch hätten, gäbe es einige Probleme nicht. Stattdessen haben wir es aber mit Hausfrauenpanzern mit 300 PS unter der Haube zu tun. Das darf man nicht ausblenden.
    • Nö. Nicht wirklich gut gemacht.
      Wenn ich wissen will, ob die Infrastruktur etwas taugt, schaue ich nicht auf die Strecke (in dem von Dir gewählten Ausschnitt nur parallel verlaufende Fahrspuren), sondern auf die Knoten, z.B.wenige Meter zuvor. Ich finde so etwas unnötig komplex - kann man auch umständlich nennen. Und das ist noch ein günstigerer Fall.
    • Gefällt dir der Knoten besser?
      i.huffpost.com/gen/1544124/ima…BIKE-HIGHWAY-facebook.jpg

      Ich schaue vorallem immer auf die Anzahl der Knoten. Ich habe kein Problem damit auf einer Autobahn alle 50 km an einem Knoten vorbeizukommen und dort langsam zu fahren.
      Aber auf einem nagelneuen Radweg in Köln alle 7 Meter(!) irgendeine Art von Knoten/Behinderung zu haben, ist eine Katastrophe. Egal wie der Knoten ist.