Woche 45 vom 7. bis 13. November 2017

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    • An redaktion@sueddeutsche.de
      Betr.: Acht Fehler, die fast jeder Radfahrer begeht, v. 8.11.2016

      8.11.2016


      Sehr geehrte Damen und Herren,

      wäre heute der 1. April, würde ich diese Mail nicht schreiben.

      Hat Ihr Redakteur (Volontär?) Felix Reek ein Alkoholproblem? Nüchternen Verstandes kann sein Artikel "Acht Fehler, die fast jeder Radfahrer begeht" doch nicht verfasst worden sein. Für den Fall, dass es sich um eine ironische Darstellung handelt, bitte ich schon jetzt um Entschuldigung, dass ich dies nicht erkannt habe.

      Es mag ja zutreffen, dass VEREINZELT Radfahrer mit Kopfhörer und lauter Musik anzutreffen sind. Auch blinkende Lampen sind nicht StVZO-konform - aber "FAST JEDER" Radfahrer? Um dem Gedanken, es handele sich um nicht mehr, als die ganz persönliche Meinung eines Schreiberlings, der etwas gegen das Fortbewegungsmittel Fahrrad hat, entgegenzutreten, bitte ich um einschlägige Quellen, aus denen hervorgeht, dass es sich um die übergroße Mehrheit ("fast jeder") der Radfahrenden handelt! Sollte Herr Reek keine überprüfbaren Quellen vorweisen können, betrachte ich seinen Artikel als populistische Meinungsmache gegen Menschen, die sich umweltfreundlich mit dem Fahrrad fortbewegen. Vielleicht schreibt er ja mal über seine Beweggründe, einen solchen Schmonsens zu verfassen?

      Sollte Ihr Autor seine Behauptungen beträfen "fast jeden Radfahrer" nicht belegen können, erwarte ich in Ihrer nächsten Ausgabe eine Klarstellung bzw. Entschuldigung von Herrn Reek. Mir ist bekannt, dass Deutschland vermeintlich unter einem "Fachkräftemangel" leidet, dass davon inzwischen auch schon die Redaktion der SZ betroffen ist, erstaunt mich allerdings. Sind Ihre Gehälter/Honorare denn wirklich so gering, dass sich nur noch Gelegenheitsschreiber einfinden, die über den Käse berichten, der sie so bewegt?

      Als "Gegendarstellung" rege ich einen Artikel "Acht Fehler, die fast jeder Autofahrer begeht" an:

      1. Sie fahren durchweg viel zu schnell und gefährden dadurch das Leben Anderer.

      2. Sie parken stets auf Geh- und Radwegen und behindern dadurch Andere.

      3. Dabei missbrauchen sie zusätzlich die Warnblinkanlage.

      4. Sie hupen und pöbeln Radfahrer an, die sich korrekt im Straßenverkehr bewegen.

      5. Sie hören extrem laute Musik in ihrer ohnehin abgeschlossenen Blechkiste und gefährden und belästigen dadurch wiederum Andere.

      6. Sie wollen auf Autobahnen ständig nach links abbiegen (warum sonst blinken sie links?), obwohl dies in Deutschland nirgends möglich ist.

      7. Sie bedienen während der Fahrt ständig ihr Smartphone.

      8. Sie trinken einen "Coffee to Go" während der Fahrt (und das, obwohl sie nicht gehen, sondern sitzen).


      Die Liste ließe sich fortsetzen...

      Beste Grüße aus Hamburg...
      "Terrorismus ist der Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen"
      Peter Ustinov
    • mmmmmh....

      ja, der Beitrag in der SZ war mal wieder daneben.
      Jetzt ist immer die 1. Frage:
      Darauf reagieren?
      Die beantwortest du mit "ja". Finde ich gut :)
      Die 2. Frage, die sich dann stellen muss, ist:
      Mit welchem Ziel?

      So, wie dein Leserbrief bei mir ankommt, ist das Ziel: Dampf ablassen.
      Das ist grundsätzlich gerechtfertigt. Damit kann ich leben und könnte es in meiner Fantasie als Ressortleiter einer überregionalen Zeitung auch.
      In meiner Fantasierolle würde ich aber keine Anleitung sehen, es das nächste Mal besser/anders zu machen. Weil ich nach dem 2. Satz bereits in einer innerlichen Abwehrhaltung bin, in der ich mich vor den Autor stelle.

      Will sagen: deine Argumente sind per se nicht falsch. Sie werden aber bestenfalls nicht, im schlimmsten Fall falsch ankommen. :huh:

      Aber ich hab auch gut Reden :D
      Ich bin ohnehin zu faul, auf solche Artikel etwas zu schreiben.
    • Kampfradler schrieb:

      Als "Gegendarstellung" rege ich einen Artikel "Acht Fehler, die fast jeder Autofahrer begeht" an:
      Die "Gegendastellung" gab es bei der SZ übrigens schon vor ein paar Wochen - auch wenn damals von Sünden und nicht von Fehlern die Rede war und es in erster Linie um Schadensvermeidung am eigenen Auto ging:
      Acht Sünden, die fast jeder Autofahrer begeht

      Ich vermute mal eher, dem Redakteur sind zum Thema Fahrradfahren keine acht vergleichbar materialverschleißende Verhaltensweisen eingefallen. Dann musste halt das übliche Radfahrer kennen keine Regeln herhalten. Naja... aber jetzt auch nicht so der Oberaufreger. Und was den Leserbrief angeht: bei "Alkoholproblem" hätte ich als Zuständiger schon aufgehört zu lesen.
    • Ich finde die Reaktion von Kampfradler durchaus wichtig. Die Redaktion soll über solche Artikel noch ein zweites Mal nachdenken müssen - das wird ähnliches in der Zukunft nicht verhindern, weil es das nächste mal ein anderer Redakteur schreibt und die Chefredakteure nur wenig Zeit auf Kontrolle verschwenden. Sind ja keine Praktikanten und so.

      Dennoch möchte ich ich anmerken: Ein blinkendes Rücklicht bei einem Nachtbrevet bringt mich nach ca. 20km dazu entweder zu überholen oder entnervt 5 Minuten Pinkelpause einzulegen. Die Dinger sind FURCHTBAR. Das ist als Radfahrer hinter einem Blinklicht kaum auszuhalten. _Den_ Punkt darf der Redakteur von mir aus jeden Tag widerholen und die Polizei mit dreiunddrölfzig Monatsgehältern abstrafen.
    • Liegt im Zuständigkeitsbereich des Bezirkes Mitte der sich aus den drei ehemaligen Bezirken Tiergarten, Wedding und Mitte zusammensetzt. Obwohl ich nun 10 Jahre in Wedding und Tiergarten wohne hab ich hier noch nie das Ordnungsamt Parksünder außerhalb der historischen Mitte kontrollieren sehen. Naja, Hauptsache die Touries sehen was ordentliches.
    • Mal billige Hetze gegen "die Autofahrer" von mir:

      Straßensperrung auf dem Lande.
      erster Schritt: man stellt Schilder auf, die die Einfahrt für alle bis auf Anlüger verbietet.
      die werden: ignoriert. Trotz Kennzeichenpflicht und Führerschein.

      zweiter Schritt: man stellt Warnbaken auf, um die Sperrung zu verdeutlichen
      die werden: beiseite geräumt

      dritter Schritt: man baut eben eine Schranke hin und verteilt Schlüssel an alle Anlieger.
      die wird: nicht umgefahren, stattdessen wird einfach der Poller auf dem Gehweg daneben abgeflext. Damit man dort durchfahren kann.


      zur Aufstellung der Schrank wird ein Anlieger zitiert:

      Kritisch sieht Christian Dehns, er hat als Anlieger einen Schlüssel erhalten, die gesamte Situation. „Unsere Belange als Firma sind gewahrt. Als Steuerzahler stellt sich mir allerdings die Frage, was das alles soll? Warum wurde der Bau einer Behelfsstraße überhaupt nicht geprüft? Ich kann die Leute aus Kuhstorf, Bresegard, Picher verstehen, die zum Zug nach Hagenow Land möchten, dass sie keine kilometerlangen Umwege fahren wollen“, sagte er und prognostiziert der neuen Schranke nur eine kurze Lebensdauer.
      Krass oder? Der Steuerzahler kritisiert die Einrichtung einer Schranke für mehrere tausend Euro, hätte stattdessen ganz gerne eine Behelfsstraße. Die gibt's regelmäßig bei Praktiker im Angebot, für 10ct der laufende Meter... oder wie?
      Und Autofahrer wollen keine kilometerlangen Umwege fahren? Hallo? Leben dort ist ein einziger Umweg. Kaufen sich da alle PAnzer, damit sie auf direktem Wege über Feld und Flur von A nach B fahren können?
      Man, wie verlogen und beschränkt...
    • Aus dem Pressebericht der Münchner Polizei - zweimal fast dieselbe Situation:

      Verkehrsteilnehmer A missachtet das Zeichen [Zeichen 205] "Vorfahrt gewähren" und stößt mit einem Verkehrsteilnehmer B zusammen.

      Falls A = Autofahrer und B = Rollerfahrer ist:
      Überschrift: Pkw-Fahrerin übersieht Motorradfahrer – eine Person schwer verletzt
      Im Text: "[...] Beim Einfahren in die Fahrbahn übersah die Mercedesfahrerin den Motorradfahrer und stieß mit der Fahrzeugfront gegen die rechte Seite des Rollers. [...]"


      Falls A = Radfahrer und B = Rollerfahrer ist:
      Überschrift: Radfahrer missachtet die Vorfahrt eines Rollerfahrers, eine Person schwer, eine Person leicht verletzt
      Im Text: "[...] Der Radfahrer fuhr ohne anzuhalten, bzw. ohne nach links und nach rechts zu blicken, in den Oberanger ein und missachtete zudem das für seine Fahrtrichtung geltende Verkehrszeichen, demzufolge er „Vorfahr gewähren“ hätte müssen. Der Kleinkraftradfahrer versuchte noch abzubremsen und nach rechts auszuweichen, schaffte dies jedoch nicht mehr und konnte einen Zusammenstoß mit dem Fahrrad nicht mehr vermeiden. [...]"
    • Und falls A = Autofahrer und B = Fußgänger siehe eine Meldung tiefer, Nr. 2021:

      »Fußgänger wird von Pkw erfasst«

      »Zur gleichen Zeit stand ein 24-jähriger Student an der Fußgängerfurt und wollte die Seidlstraße überqueren. Der junge Mann war dunkel gekleidet und alkoholisiert.«

      Jetzt kommt eine störende Kleinigkeit:

      »Die Ampelanlagen zeigten sowohl für den Pkw-Fahrer, wie auch für den Fußgänger Rotlicht.«

      Also kommt man nicht umhin festzustellen:

      »Der Fiat-Fahrer missachtete das Rotlicht«

      und lässt noch ein kleines Detail durchrutschen:

      »und bemerkte dann den von rechts kommenden Fußgänger«.

      Aber dann fällt man in die gewohnte Sprache zurück:

      Der Autofahrer »konnte einen Zusammenstoß nicht mehr vermeiden«.

      Oha. Wie das?

      Er »erfasste den 24-Jährigen frontal und ungebremst mit seinem Wagen«.

      Reaktion = Null? Oder Bremsen kaputt?

      Das Opfer »prallte gegen die Windschutzscheibe und wurde anschließend 25 Meter weit nach vorne durch die Luft auf die Fahrbahn geschleudert.«


      An dieser Stelle fragt man sich: Wenn die Münchner Polizei Angaben zum Alkoholpegel und zur Bekleidungsart des Fußgängers macht - warum fehlen dann Angaben zum Alkoholpegel des Autofahrers, zur Geschwindigkeit des Autofahrers (25 Meter durch die Luft! 3:45 morgens! Bäcker! - war der Mann vielleicht auf dem Weg zur Arbeit oder beim Brötchenausliefern)?

      Und was wäre gewesen, wenn von rechts (!) kein alkoholisierter, dunkel gekleideter Fußgänger über die Furt hinter der Kreuzung sich auf den weg gemacht hätte, sondern ein Radfahrer bei Fahrbahn-Grün? Oder ein 20-Tonner?